Investmentthemen

Viele schwere Krankheiten wie etwa Alzheimer oder verschiedene Krebsarten sind heute noch nicht oder nur ungenügend behandelbar. Die derzeit zur Verfügung stehenden Medikamente können die Nachfrage nach innovativen Therapien in Indikationen mit hohem medizinischem Bedarf nicht decken.

Insbesondere innovative Biotech-Produkte, die direkt am Krankheitsprozess ansetzen und diesen hemmen beziehungsweise zu stoppen versuchen, versprechen erfolgreiche neue Behandlungsmethoden. Dies im Gegensatz zu traditionellen chemisch hergestellten Medikamenten, bei denen eher die Bekämpfung der Symptome im Vordergrund steht.

Onkologie

Die Onkologie beschäftigt sich mit über 150 Krebserkrankungen. Neben klassischen Behandlungsmethoden wie Chemotherapie haben insbesondere die neuartigen zielgerichteten oder immunfokussierten Therapien aus den Biotech-Laboren die Überlebenschancen der Patienten teils massiv verbessert. Noch immer ist der medizinische Bedarf an neuen Therapien mit verbessertem Wirkprofil in der Onkologie immens. Die grössten Fortschritte sind weiterhin von den verschiedenen immuntherapeutischen Ansätzen zu erwarten.

Auf dem Feld der sogenannten Checkpointhemmer zählen Incyte Pharmaceuticals, Macrogenics und Five Prime Therapeutics zu den führenden Biotechfirmen. Bei den zulassungsrelevanten klinischen Studien gilt das Augenmerk unserer Kernbeteiligung Incyte, die bis Mitte 2018 Ergebnisse für Epacadostat als Therapie gegen schwarzen Hautkrebs präsentieren wird. Den grossen Durchbruch geschafft hat zuletzt ein gentherapeutisches Verfahren auf Basis der Chimärischen Antigenrezeptoren-T-Zellen (CAR-T). Dabei werden den Patienten entnommene Immunzellen mittels gentechnischer Veränderung auf die direkte Zerstörung der Tumore ausgerichtet und dann wieder per Infusion verabreicht. Anders als bei Standardbehandlungen zeigten klinische Studien mit CAR-T-Therapien nach sechs Monaten bei bis zu 40% der Patienten, bei denen Standardtherapien nicht mehr anschlugen, einen völligen Rückgang des Tumors. Zu den Pionieren bei diesen CAR-T-Therapien zählen unsere Portfoliobeteiligungen Juno Therapeutics und Kite Pharma. Für Juno Therapeutics wird 2018 richtungsweisend, wenn die Entscheidung über die Zulassung von JCAR017 zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms fällt. Kite Pharma wurde im August 2017 von unserer langjährigen Kernbeteiligung Gilead Sciences übernommen. Zwei Monate später erhielt das von Kite entwickelte Produkt unter dem Markennamen Yescarta die US-Zulassung. Für Gilead könnte sich das Umsatzpotenzial für Yescarta vergrössern, sollte das Präparat 2018 die EU-Zulassung erhalten.

Die US-Firma Agios Pharmaceuticals hat sich auf Krebsmittel spezialisiert, die versuchen, sich die unterschiedlichen Stoffwechsel von Krebszellen gegenüber normalen Zellen zu Nutze zu machen. In erster Instanz ging es hierbei um die sogenannten IDH Proteine in Akuter Myeloischer Leukämie (AML). Agios hat im Dezember 2017 bei der US-Behörde FDA den Zulassungsantrag für Ivosidenib (IDH2-Hemmer) für die Behandlung von rezidivierter AML eingereicht.

Seltene Krankheiten

Seltene Krankheiten betreffen höchstens fünf von 10 000 Personen. Immer mehr Biotech-Unternehmen beschäftigen sich mit der Erforschung der weltweit 6 000 bis 8 000 seltenen Krankheiten. Die Hälfte der im letzten Jahr zugelassenen Medikamente wurde für diesen Sektor entwickelt und es konnten einige bahnbrechende Erfolge erzielt werden. Zu den grossen Gewinnern zählten unsere Beteiligungsfirmen Ionis Pharmaceuticals, Alnylam Pharmaceuticals und Vertex Pharmaceuticals.

Unsere Kernbeteiligung Ionis Pharmaceuticals hat sich auf die Antisense-RNA-Technologie spezialisiert. Dabei handelt es sich um eine natürliche Möglichkeit, die Produktion eines Proteins über seinen genetischen Code zu steuern. Mit dem Ende 2017 zugelassenen Arnzeimittel Spinraza gegen Spinale Muskelatrophie hat Ionis hier zusammen mit Biogen den ersten potenziellen Blockbuster auf den Markt gebracht. Das Jahr 2018 könnte für Ionis den finalen Durchbruch für die Kommerzialisierung seiner Antisense-Technologie bedeuten, wenn die beiden Produkte Inotersen und Volanesorsen zugelassen werden. Letzteres wird von Akcea, einer weiteren Portfoliobeteiligung, kommerzialisiert.

Alnylam Pharmaceuticals schaffte es, den Aktienkurs innerhalb eines Jahres zu verdreifachen. Grösster Kurstreiber waren die positiven klinischen Ergebnisse vom September 2017 für den Wirkstoff Patisiran zur Behandlung der Krankheit TTRAmyloidose, welche die Nerven oder den Herzmuskel schädigt. Alnylam hat den Zulassungsantrag im Dezember 2017 eingereicht und erwartet in der zweiten Jahreshälfte 2018 die Zulassungsentscheidung für die USA und Europa. Bis Mitte 2018 sollten die zulassungsrelevanten klinischen Daten für Givosiran vorliegen, ein Wirkstoff zur Behandlung von akuter hepatischer Porphyria. Anylam hat seine Produktpipeline rund um die firmeneigene Technologieplattform für RNA-Interferenz- (RNAi)-Therapeutika aufgebaut. Dieser Therapieansatz ermöglicht die spezifische Blockade der Synthese bestimmter krankheitserregender Proteine.

Vertex Pharmaceuticals hat sich bereits in einer medizinischen und kommerziellen Marktnische etabliert. Die beiden Heilmittel Orkambi und Kalydeco zur Behandlung von Mukoviszidose, einer durch Genmutation ausgelösten Stoffwechselstörung in den Atemwegsschleimhäuten, erzielen Milliardenumsätze. Neue Einnahmequellen sind 2018 in Sicht, sollte eine neue Kombinationstherapie weltweit zugelassen werden.

Neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen betreffen das Gehirn und das periphere Nervensystem und umfassen Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer, Parkinson, Depression, Migräne oder multiple Sklerose, für die es bisher wenig wirksame Therapiemöglichkeiten gibt und die deshalb eine besondere Herausforderung darstellen. Biotech-Unternehmen liefern erste neue Therapieansätze gegen Nervenerkrankungen und könnten so den hohen medizinischen Bedarf decken.

Über Jahre galten Erkrankungen des Nervensystems als das medizinische Teilgebiet, in dem die klinischen Fehlschläge bei zulassungsrelevanten Studien die Erfolgsmeldungen bei Weitem überwogen. Die jüngste Entwicklung bei Sage Therapeutics untermauert jedoch, dass ein Produktkandidat, der in einer Indikation nicht die erhoffte klinische Wirkung zeigte, in einem anderen Krankheitsgebiet den grossen Durchbruch schaffen kann. Das US-Biotechunternehmen hat sich auf Wirkstoffe spezialisiert, die GABA- und NMDA-Rezeptoren von Nervenzellen modulieren. Im September 2017 geriet die Aktie unter Druck, nachdem die am weitesten fortgeschrittene klinische Substanz Brexanolon als Behandlung von superrefraktärem Status Epilepticus nicht anschlug. Die positive Wende folgte im November, als Brexanolon bei Frauen mit moderater bis schwerer Depression nach einer Geburt (PPD) sehr gute Wirksamkeitsdaten zeigte. Im Dezember folgten weitere positive Wirksamkeitsdaten in einer klinischen Studie bei Patienten mit Depression. Für die per Injektion verabreichte Arznei wird 2018 die Zulassungsentscheidung in PPD erwartet. Das orale Nachfolgepräparat SAGE-217 wird ebenfalls für PPD und schwere Depressionen, den essenziellen Tremor und die Parkinson-Krankheit getestet. Vielversprechende Phase-II-Daten in schweren Depressionen wurden bereits im Dezember 2017 publiziert.

Mit Neurocrine Biosciences glänzte zuletzt eine andere, unter anderem auf neurologische Erkrankungen spezialisierte Beteiligung von BB Biotech mit einer starken Kursperformance. Neurocrine erhielt im Frühjahr 2017 von der US-Behörde FDA grünes Licht für Ingrezza zur Behandlung von Spätdyskinesien. Für 2018 steht ein weiterer Meilenstein in der Firmenhistorie an, wenn über die US-Zulassung von Elagolix gegen Endometriose (schmerzhafte Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut) entschieden wird. Neurocrine hatte dieses Produkt, dem jährliche Spitzenumsätze im Milliardenbereich eingeräumt werden, an den Pharmakonzern AbbVie auslizenziert und würde im Falle einer Zulassung Umsatzbeteiligungen erhalten.

Stoffwechselkrankheiten

Stoffwechselkrankheiten können angeboren sein oder erworben werden. Das Spektrum reicht von «Volkskrankheiten» wie Diabetes bis hin zu seltenen, tödlichen Erbkrankheiten. Als Konsequenz des westlichen Lebensstils, das heisst hyperkalorische Ernährung im Verbund mit Mangel an körperlicher Bewegung, ist in den letzten Jahrzehnten das sogenannte metabolische Syndrom definiert worden, das einen lebensbedrohlichen Risikofaktor für die Erkankung arterieller (koronarer) Gefässe darstellt.

Bei den Stoffwechselerkrankungen konzentriert sich die Medikamentenentwicklung auf die Behandlung von Diabetes. Neue Arzneien zielen darauf ab, im Zusammenspiel mit medizintechnischen Messgeräten den langen und vielleicht unerreichbaren Weg zu einer künstlichen Bauchspeicheldrüse zu überbrücken. Auf diese Weise sollen Patienten in Zukunft ihren Blutzucker- und Insulinspiegel kontinuierlich regulieren und so lebensbedrohliche Abweichungen von den Normalwerten verhindern.

Bei Diabetes mellitus Typ 2, der mit über 90% häufigsten Störung des Blutzuckerspiegels, regulieren neue Arzneien wie die SGLT-2-Hemmer, DDP-4 Hemmer oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten den Insulinspiegel. Die Medikamentenklasse der GLP-1- Rezeptor-Antagonisten bewirkt zusätzlich einen Gewichtsverlust. Zugleich führt diese Medikamentenklasse ebenso wie die SGLT-2-Hemmer zu einer deutlich verringerten Mortalität in Verbindung mit Fettleibigkeit (Adipositas), die bei Diabetes verstärkt auftritt.

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ist mit einem Marktanteil von über 40% global führend bei den Insulinen und steht auch bei den GLP-1-Inhibitoren ganz vorne. Dank des breiten Produktportfolios gegen Diabetes erzielt das Unternehmen operative Margen, die weit über dem Durchschnitt der Pharmabranche liegen. Der Anfang Dezember in den USA zugelassene GLP-1-Inhibitor Ozempic schafft optimale Voraussetzungen, um diese marktführende Position dauerhaft zu behalten. Bislang ist das Produkt als einmal wöchentlich zu verabreichender Injektionspen auf dem Markt. Allerdings wird Novo Nordisk 2018 die entscheidenden klinischen Daten für Ozempic als Tablette vorlegen. Schafft Ozempic die Zulassung in dieser patientenfreundlicheren Form, stehen die Chancen gut, dass das Präparat zum meistverkauften Diabetesmittel überhaupt avanciert.

Infektionskrankheiten

Infektionskrankheiten haben sich durch Hygiene und Impfungen sowie die Verabreichung von Antibiotika verringert, doch immer noch treten neue Epidemien auf. Durch Biotech-Wirkstoffe wurden potenziell tödliche Infektionskrankheiten zu chronischen mit fast normaler Lebenserwartung reduziert (HIV) oder gar komplett geheilt (Hepatitis C).

Dank neuster Therapieansätze ist Hepatitis C mittlerweile eine dauerhaft heilbare Infektionskrankheit. Die neuen Substanzen werden einmal täglich als Tablette über einen Zeitraum von mehreren Monaten eingenommen und beseitigen sämtliche Viren bei mehr 95% aller Patienten. Unangefochtener Marktführer mit einem globalen Anteil von über 60% ist Gilead Sciences. Die drei Medikamente Harvoni, Sovaldi und Epclusa erwirtschafteten 2016 zusammen USD 12.8 Mrd. Allerdings kann Gilead bei der Preisbildung nicht mehr den Pionierstatus ausspielen, den die Firma nach der Markteinführung von Sovaldi und Harvoni innehatte. Die realisierten Nettopreise nach Rabatten entsprechen noch weniger als die Hälfte des ursprünglichen Listenpreises von USD 90 000 pro Patient. Dazu ist der Markt nach der Zulassung von anderen Produkten weitgehend aufgeteilt zwischen Gilead und den Pharmakonzernen AbbVie und Merck & Co. Angesichts der zunehmenden Marktdurchdringung infolge der wachsenden Zahl an geheilten Patienten wird sich die Wachstumsverlangsamung, die in den letzten Quartalen zu beobachten war, weiter verfestigen. Neue Produkte werden nur dann noch Marktanteile gewinnen, wenn sie eine verkürzte Behandlungszeit mit derselben Wirkung – und damit eine vollständige Heilung bei weniger Behandlungskosten – nachweisen.

Bei den Medikamenten, die HIV-Infektionen von einer tödlichen in eine chronische Krankheit gewandelt haben, ist Gilead seit 2007 vom Umsatz her weiterhin die globale Nummer eins, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch neue Produkte von GlaxoSmithKline. Ein neuer Umsatzschub könnte sich hier einstellen, sollte Gilead 2018 die Zulassung für das Kombipräparat B/F/TAF in den USA und in Europa erhalten. Im Bereich der Entzündungskrankheiten steht Celgene mit seinem Hoffnungsträger Ozanimod vor dem Durchbruch. Die US-Behörde wird 2018 über eine Zulassung von Ozanimod zur Behandlung von multipler Sklerose (MS) entscheiden. Entscheidend ist, ob Ozanimod neben derselben Wirkung auch ein besseres Sicherheitsprofil gegenüber dem zugelassenen Konkurrenzprodukt Gilenya von Novartis nachweisen kann.

Kardiovaskuläre Krankheiten

Kardiovaskuläre Krankheiten sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit. Der westliche Lebensstil ist einer der grössten Risikofaktoren und rechtzeitigeVorbeugung, Erkennung und Behandlung stehen im Fokus. Neue Behandlungsansätze aus Biotech-Laboren bieten Mehrwert für Patienten und Gesundheitssystem. Allein in den USA sind mehr als zehn Millionen Patienten auf neue Arzneien angewiesen, weil herkömmliche Behandlungen die angestrebte Senkung des Cholesterinspiegels nicht erreichen.

Cholesterinsenker zählen aus Anlegersicht zu den lukrativsten Medikamentenklassen – und sind zugleich ein hart umkämpfter Markt. In Zeiten des Preisdrucks bei Medikamenten gegen chronische Erkrankungen haben neue Cholesterinsenker das Potenzial für Milliardenumsätze, sofern sie eine Alternative zu Statinen darstellen, die die Cholesterinsynthese in der Leber hemmen.

Ein neuer, von Regeneron Pharma und Amgen entwickelter Wirkmechanismus setzt auf monoklonare Antikörper, die das Protein PCSK9 blockieren. Weil sich LDLRezeptoren in der Folge leichter entfalten können, nehmen die Leberzellen das schädliche LDL-Cholesterin besser auf und bauen es ab. PCSK9-Inhibitoren können den Cholesterinspiegel um bis zur Hälfte reduzieren. Primäre Zielgruppe für das Mittel sind Hochrisikopatienten mit einem stabilen Gesundheitszustand, die zuvor bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben. Alnylam Pharmaceuticals, eine weitere Beteiligungsfirma von BB Biotech, hat einen therapeutischen Ansatz entwickelt, bei dem einzelne krankheitsauslösende Genfragmente abgeschaltet werden. Ionis Pharma hat mit Kynamro einen Bluttfettsenker in einer Nischenindikation auf den Markt gebracht und ist mit einem weiteren klinischen Kandidaten auf der Basis der selbst entwickelten Antisense-Technologieplattform in der Klinik.

Unter den Portfoliofirmen von BB Biotech sind 2018 die spannendsten kurstreibenden Nachrichten bei Esperion Therapeutics zu erwarten. Der als Tablette eingenommene Wirkstoff Bempedoic Acid soll vor allem Patienten behandeln, die Statine nicht vertragen oder trotz der Behandlung mit diesen immer noch zu hohe Cholesterinwerte aufweisen. Entscheidend wird sein, ob die nächsten klinischen Ergebnisse für die Substanz als Monotherapie und in Kombination mit Ezetimib ausreichen, um im nächsten Jahr die vorzeitige Zulassung zu erhalten.