Investmentthemen

Viele schwere Krankheiten wie etwa Alzheimer oder verschiedene Krebsarten sind heute noch nicht oder nur ungenügend behandelbar. Die derzeit zur Verfügung stehenden Medikamente können die Nachfrage nach innovativen Therapien in Indikationen mit hohem medizinischem Bedarf nicht decken.

Insbesondere innovative Biotech-Produkte, die direkt am Krankheitsprozess ansetzen und diesen hemmen beziehungsweise zu stoppen versuchen, versprechen erfolgreiche neue Behandlungsmethoden. Dies im Gegensatz zu traditionellen chemisch hergestellten Medikamenten, bei denen eher die Bekämpfung der Symptome im Vordergrund steht.

Onkologie

In keinem anderen Krankheitsfeld ist der medizinische Bedarf an neuen Therapien mit verbessertem Wirkprofil so immens wie in der Onkologie. Dementsprechend gross ist hier der Gestaltungsspielraum bei der Preisbildung für neue Produkte.

Die grössten Impulse sind in den nächsten Jahren bei den verschiedenen Immuntherapien zu erwarten. Dabei werden Teile des menschlichen Immunsystems aktiviert, im Spezifischen T-Zellen, welche direkt Tumorzellen angreifen. Checkpoint- Inhibitoren hemmen die Signalwege, mit denen Krebszellen die gegen sie gerichtete Immunabwehr ausser Kraft setzen können. Während bei den ersten Checkpoint- Inhibitoren bislang vor allem Pharmakonzerne die Akzente setzen, sind in der zweiten Generation der Checkpoint-Hemmer vor allem Biotech-Unternehmen führend (Incyte, Macrogenics, Tesaro und Celgene). Aktuell geht der Trend in die Richtung, dass herkömmliche Therapien in Kombination mit den neuen Ansätzen als Zweit- und Drittlinientherapien eingesetzt werden. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählt der von Incyte entwickelte IDO1-Hemmer Epacadostat.

Bei den sogenannten CAR-T-Therapien haben sich hingegen Biotech-Firmen wie Juno Therapeutics und Kite Pharma als Pioniere etabliert. Bei diesem Zelltherapieansatz enttarnen und attackieren gentechnisch veränderte Immunzellen die Krebszellen. Diese modifizierten T-Zellen werden über Blutentnahme gewonnen, im Labor reprogrammiert und den Patienten wieder per Infusion verabreicht. Die meisten bisherigen klinischen Studien befassen sich mit Blutkrebsarten, doch grundsätzlich könnten CAR-T-Zellen jede Form von Krebs bekämpfen, immer vorausgesetzt, dass die Krebszellen eine geeignete Zielstruktur aufweisen.

PARP-Inhibitoren wiederum hindern das Wachstum von Tumorzellen, indem sie die an der Reparatur des Erbguts von Tumorzellen beteiligten PARP-Enzyme blockieren. Zu den führenden Entwicklern zählt unsere Portfoliofirma Tesaro. Deren Aktienkurs vervierfachte sich im Börsenjahr 2016, weil Niraparib gegen Brust- und Eierstockkrebs sehr gute Wirksamkeitsdaten präsentierte

Stoffwechselkrankheiten

Die Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden gegen die zwei verschiedenen Formen von Diabetes bildet bei den Stoffwechselerkrankungen das grösste Feld. Mit der Zulassung des ersten Biosimilars in der EU für das Diabetesmittel Lantus hat sich der Wettbewerb weiter verschärft. Zur neueren Wirkstofflasse zählen die GLP-Rezeptor-Antagonisten, welche die Absonderung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse verbessern und zugleich die Produktion von Glukose in der Leber verringern. Novo Nordisk ist in dieser Wirkstofflasse führend und hat mit Victoza ein Produkt mit erstklassigem Wirkprofil auf dem Markt. Ein weiterer Hoffnungsträger des Unternehmens ist Tresiba, ein Insulin-Analog, das über 40 Stunden wirkt und deshalb nur einmal täglich eingenommen werden muss.

Ein weiteres Feld mit hohem medizinischem Bedarf sind Stoffwechsel- er krankungen der Leber. Dazu zählen die weit verbreitete nicht-alkoholische Fettleber (NAFDL) und deren Folgen bezeichnet als nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH). Prognosen zufolge soll NASH bereits 2020 die häufigste Ursache für kostspielige Lebertransplantationen und Leberkrebs sein. Intercept erwartet hier einen zulassungsrelevanten Nachrichtenfluss. Das Präparat Ocaliva ist der in der klinischen Entwicklung am weitesten fortgeschrittene Wirkstoff und der erste Produktkandidat mit antifibrotischer Wirkung in der Leber. Ocaliva erhielt im Mai 2016 von der FDA den beschleunigten Zulassungsstatus in der Indikation primär biliäre Zirrhose. Die Ergebnisse einer klinischen Studie zur Behandlung von NASH werden 2018 erwartet.

Radius Health wiederum hat sich auf Behandlungen von Krankheiten im Kontext mit Hormonstörungen spezialisiert. Abaloparatide hat die Studienphase III für die postmenopausale Osteoporose (PMO) erfolgreich abgeschlossen. Zudem entwickelt Radius in Zusammenarbeit mit 3M eine Formulierung als transdermales Pflaster, das die Anwendung bei Frauen mit dieser Erkrankung erheblich erleichtern könnte.

Kardiovaskuläre Krankheiten

Wegen der grossen Patientenzahl und der damit verbundenen Kosten für die umfangreichen klinischen Studien ist die Entwicklung von neuen Heilmitteln gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in erster Linie eine Domäne der grossen Pharmakonzerne. Weil bereits eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten verfügbar ist, können die Entwickler von neuen Medikamenten gegenüber den Krankenkassen nur dann höhere Preise durchsetzen, wenn sich ein bahnbrechender medizinischer Nutzen nachweisen lässt.

Ein schwieriger Markt sind die mit hohen Erwartungen gestarteten neuen Cholesterinsenker (PCSK9) als besserer Ersatz oder zusätzliche Senkung zu herkömmlichen Statinen, deren Patentschutz über die letzten Jahre ausgelaufen ist und die als Generika weiter verkauft werden. Regeneron Pharma erhielt im Sommer 2015 die Zulassung für Praluent aus der neuen Klasse der PCSK9-Inhibitoren und kämpft hier mit dem nahezu zeitgleich zugelassenen Konkurrenzprodukt Repatha von Amgen um Marktanteile. Allerdings dämmen im Moment die Kostenträger die Nutzung der mit Listenpreisen von rund USD 14 000 pro Patient relativ teuren Medikamentenklasse noch ein, begründet durch das derzeitige Ausstehen von Langzeitwirkungsstudien. Mit Alnylam ist hier eine weitere Beteiligungsfirma von BB Biotech mit einem neuen therapeutischen Ansatz unterwegs. Ionis hat hier mit Kynamro bereits einen Cholesterinsenker auf dem Markt und ist mit einem weiteren klinischen Kandidaten auf der Basis der selbst entwickelten Antisense-Technologieplattform vertreten. Auch hier werden bestimmte krankheitsauslösende Teile von Genen blockiert. Esperion zielt mit seinem Kandidaten ETC-1002 vor allem auf Patienten ab, die herkömmliche Statine nicht vertragen oder trotz der Behandlung mit Statinen zu hohe Cholesterinwerte aufweisen. Die Gesellschaft rechnet für 2018 mit der Einreichung des Zulassungsantrags bei der FDA. Entscheidend wird, ob Zwischenergebnisse ausreichen, um für ETC-1002 die vorzeitige Zulassung im Jahr 2019 zu erhalten.

Die Schweizer Firma Actelion wiederum hat mit Medikamenten gegen Lungenhochdruck, eine lebensbedrohliche und mit schwerwiegender Beeinträchtigung der Lungen- und Herzfunktion verbundene Krankheit, eine lukrative Marktnische besetzt.

Seltene Krankheiten

Bei den erblich bedingten seltenen Erkrankungen (Orphan Diseases) handelt es sich häufig um Stoffwechselkrankheiten, die für die Betroffenen oft lebensbedrohlich oder mit verkürzter Lebenserwartung verbunden sind. Erhebliche klinische Fortschritte verzeichneten hier zuletzt die RNA-basierten Technologien.

Konnten herkömmliche Therapien bisher nur vorhandene Proteine verändern, eröffnet die Antisense-RNA-Technologie die Möglichkeit, die Produktion eines Proteins über seinen genetischen Code zu steuern. Dadurch lässt sich das Entstehen von schädlichen Proteinen, die als Krankheitsauslöser identifiziert wurden, erheblich reduzieren. Die Antisense-Technologie wird seit mehr als einem Jahrzehnt fortlaufend weiterentwickelt und hat dabei ihre Anwendbarkeit in schweren und bislang nicht behandelbaren Orphan Diseases bewiesen. Unsere Kernposition Ionis Pharmaceuticals feierte zum Jahresende einen weiteren Etappensieg für ihre Antisense- Plattform, als die FDA die Zulassung für das zusammen mit Biogen ent- wickelte Medikament Spinraza erteilte. Bei diesem per Injektion verabreichten Präparat handelt es sich um das erste verfügbare Heilmittel gegen spinale Muskelatrophie. Von dieser durch eine seltene Genmutation bedingten Erkrankung sind weltweit etwa 10 000 bis 25 000 Menschen betroffen. Der über die ausbleibende Entwicklung von Motorneuronen ausgelöste Muskelschwund (u.a. in der Atem- muskulatur) führt zu einer stark eingeschränkten Lebenserwartung. Im Gegensatz zur Antisense-Technologie schaltet der RNAi-Ansatz bestimmte Gene im menschlichen Erbgut aus, die als Krankheitsauslöser gelten. Zu den Protagonisten zählt hier unsere Beteiligung Alnylam. Liefern die für dieses Jahr erwarteten zulassungsrelevanten klinischen Studien positive Resultate, will das Unternehmen noch 2017 den Zulassungsantrag für den Wirkstoff Patisiran zur Behandlung der Krankheit TTR Amyloidose einreichen, welche das periphere Nervensystem schädigt.

Spätestens seit der Zulassung von Soliris im Jahr 2007 zählt Alexion zu den Pionieren in Orphan Diseases. Mit Strensiq und Kanuma wurden 2016 zwei weitere Präparate in Nischenindikationen (HPP, LAL-D) auf dem Markt eingeführt.

Neurologische Erkrankungen

Bedingt durch das häufig noch mangelnde Verständnis der Krankheitsauslöser gibt es in kaum einem anderen Gebiet der Arzneimittelentwicklung mehr klinische Fehlschläge als bei den Nervenerkrankungen. Das gilt vor allem für Alzheimertherapien. Nach dem jüngsten Fehlschlag des Pharmakonzerns Eli Lilly bleiben Biogen und Roche mit den am weitesten fortgeschrittenen klinischen Kandidaten im Rennen. Bei der seit Oktober 2014 an der Euronext gelisteten deutschen Firma Probiodrug, in die auch BB Biotech investiert ist, werden 2017 für das am weitesten fortgeschrittene Präparat PQ912 erste Daten aus einer Wirksamkeitsstudie erwartet. Die Ergebnisse sind wegweisend, wie weitere Studien aufgesetzt werden und ob sich dafür ein Kooperationspartner interessieren lässt. PQ912 setzt am Protein Pyroglutamat- Abeta an. Diese Substanz gilt als Auslöser für die Bildung der toxischen Beta-Amyloid- Plaques, die sich in den Nervenzellen von Alzheimerpatienten ablagern.

Sehr aussichtsreich ist ein neuer Ansatz zur Behandlung von chronischer Migräne. Zu den vier Firmen, die sich mit CGRP-(Calcitonin Gene Related Peptide)-Inhibitoren in der finalen klinischen Entwicklung befinden und bis 2018 den Markteintritt schaffen können, zählt mit Alder Biopharma eine neuere Beteiligung von BB Biotech. Alders Antikörper ALD 403 blockiert das Peptid Calcitonin, welches Migräneschmerzen und die damit verbundene Schmerz-, Licht- und Lärmempfindlichkeit auslöst. Aus dem Beteiligungsportfolio von BB Biotech steht Neurocrine Biosciences vor einem entscheidenden Termin für das erste selbst entwickelte Produkt. Am 11. April 2017 nimmt das zuständige Fachgremium der FDA Stellung zu einer Zulassung von Ingrezza zur Behandlung von Spätdyskinesien. Dyskinesien sind unfreiwillige motorische Bewegungen, die als Folgeerscheinung nach der Einnahme von Psychopharmaka auftreten. Noch gibt es keine zugelassenen Therapien für dieses Nervenleiden, von dem allein in den USA 500 000 Personen betroffen sind.

Infektionskrankheiten

Dank neuartiger Therapieansätze hat sich Hepatitis C in den vergangenen Jahren zu einer dauerhaft heilbaren Infektionskrankheit gewandelt. Den Durchbruch brachte Gilead mit der Zulassung von Sovaldi im Dezember 2013 und von Harvoni im Oktober 2014. Der Wirkmechanismus hindert den Hepatitis-C-Virus daran, sich zu vervielfachen. In klinischen Studien erreichten die Substanzen bei mehr 95% aller Patienten die völlige Beseitigung der Virenlast. Mit den Produkten konnte Gilead 2015 USD 19.1 Mrd. umsetzen. Den Ausschlag für den fulminanten Start gab die Preissetzungsmacht als Newcomer. Eine Behandlung kostete zu Beginn brutto um die USD 90  000 pro Patient. Durch die Zulassung der beiden Konkurrenzprodukte Viekira Pak von AbbVie und Zepatier von Merck & Co. hat sich mittlerweile der Preisdruck erhöht, die realisierten Nettopreise nach Rabatten sind circa 50% der ursprünglichen Listenpreise. Gilead konterte kürzlich mit der Dreifachkombination Epclusa, welche pan-genotypisch (also alle Varianten an Hepatitis C abdeckend) in zwölf Wochen angewendet werden kann. Weitere Innovation kann nur durch Verkürzung der Behandlungszeiten ohne Effzienzverlust geleistet werden. Mittel- bis langfristig zeichnet sich insgesamt mit der zunehmenden Marktdurchdringung eine Abflachung der Wachstumskurve ab.

Während sich in Hepatitis C bereits eine neue Generation von Substanzen in der klinischen Entwicklung befindet, steht in der Behandlung von Hepatitis B ein Durchbruch von neuen Behandlungsansätzen erst noch bevor. Hier entwickelt Gilead ein Produkt in der klinischen Phase III und setzt auf das HIV-Medikament Viread als Ersatz für das vom Patentablauf bedrohte Hepatitis-B-Arzneimittel Hepsera. Als Standardtherapie unter den HIV-Therapien hat sich eine Kombination aus drei Wirkstoffen etabliert. Bei den Medikamenten, welche die HIV-Infektion von einer tödlichen in eine chronische Krankheit gewandelt haben, ist Gilead seit 2007 vom Umsatz her die Nummer eins, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch neue Produkte von GlaxoSmithKline. Mit Odefsey, Genvoya und Descovy hat Gilead hier seit 2015 drei neue Arzneimittel auf den Markt gebracht