Wachstumstreiber

Die moderne Biotechnologie gilt als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Sie zählt heute mit einer geschätzten Wachstumsrate von mehr als 10% p.a. zu den interessantesten Wachstumsindustrien überhaupt. Während der Umsatz 2014 noch USD 130 Mrd. betrug, dürfte er sich bis 2017 auf über USD 180 Mrd. erhöhen.

Steigende Lebenserwartung

Die höhere Lebenserwartung ist eine der grössten Errungenschaften unserer Zivilisation. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird sich die Erdbevölkerung zwischen 2010 und 2050 um ein Drittel auf 9.1 Milliarden Menschen vergrössern. Der Anteil der über 60-Jährigen wird sich dabei von 760 Millionen auf 2 Milliarden verdreifachen. Doch mit steigendem Alter nimmt auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten zu, was eine immense Belastung für unser Gesundheitssystem darstellt.

Zusätzlich ist die Nachfrage nach der Behandlung von altersbedingten neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer gestiegen und kann mit heutigen Therapien noch nicht genügend befriedigt werden, was grosse, unerschlossene Märkte bedeutet.

Ungesunder Lebensstil und seine Folgen

Neben der Überalterung wird das Wachstum der Biotechnologiebranche auch durch den sich ausbreitenden westlichen Lebensstil getrieben. Gemäss WHO waren 2008 bereits 1.4 Milliarden Menschen übergewichtig, Tendenz steigend. Die krankhafte Ausprägung von Übergewicht (Adipositas) führt zum sogenannten metabolischen Syndrom, das Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Verkalkung der Herzkranzgefässe und veränderte Blutfettwerte beinhaltet.

Erhöhte Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in Schwellenländern

Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts IMS Health werden sich die weltweiten Ausgaben für Medikamente zwischen 2012 und 2017 von USD 965 Mrd. auf USD 1.2 Bio. erhöhen, was einem Anteil von rund 10% des globalen BIPs entspricht. Ein steigender Anteil an diesem Wachstum kommt mittlerweile aus Schwellenländern wie China, Russland oder Indien, die ihre staatlichen Gesundheitssysteme weiter aufbauen und in denen eine wachsende Mittelschicht immer mehr private Gesundheitsdienstleistungen konsumiert. Während sich die Pro-Kopf-Ausgaben in Industrieländern seit 1995 in etwa verdoppelten, ist in China auf einem sehr tiefen Niveau eine knappe Verzwanzigfachung festzustellen. So sind 2014 beispielsweise über 2000 neue Krankenhäuser entstanden.

Freundliches regulatorisches Umfeld

Das regulatorische und politische Umfeld für Biotechs hat sich weltweit klar verbessert. Durch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden hat sich das Risiko von klinischen Fehlschlägen verringert. In den USA verkürzt sich das Zulassungsverfahren um einige Monate, wenn dem Medikament der sogenannte „Priority“-Status verliehen wird.

Ein gutes Beispiel dafür, dass gewisse Therapiebereiche sogar gezielt durch regulatorische Anreize gefördert werden, sind beispielsweise der „GAIN Act“ für Antibiotika und der „Orphan Drug Act“ für seltene Erkrankungen. Beide gewähren Unternehmen unter anderem verlängerte Marktexklusivität und Steuererleichterungen. Ähnliche Gesetze gibt es heute auch in Asien und Europa.

Obwohl die teilweise hohen Preise für Medikamente immer wieder für politische Diskussionen sorgen, ist klar, dass die Medikamentenpreise die Entwicklungskosten decken müssen und dass gerade neue Therapieansätze mit Biotechs das Gesundheitssystem zwar kurzfristig belasten, langfristig jedoch kostensenkend wirken, da sie bisher kostspieligere Therapien ersetzen können.

Dass Innovation in den USA nach wie vor ein wichtiges Thema ist, zeigt auch der „21st Cure Act“-Entwurf, der die Zulassung dringend benötigter Therapien weiter vereinfachen soll.Nicht zuletzt dieses regulatorische Umfeld hat dazu geführt, dass mittlerweile über die Hälfte aller neuen Medikamente aus Biotech-Labors stammen.

Technologischer Fortschritt

Früher war die Entdeckung neuer Therapien oft auf glückliche Zufälle angewiesen. Dies hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch geändert. Man ist über die klassische, auf „Screening“ basierte Suche nach der Nadel im Heuhaufen herausgewachsen. Mit dem grösseren Wissen über biologische Prozesse können gezielt Medikamente kreiert und optimiert werden. Zudem gibt es ein Vielfaches mehr an Therapieoptionen: Neben niedermolekularen Wirkstoffen (zu denen die meisten „alten“ Medikamente gehören) gibt es therapeutische Antikörper, rekombinante Proteine, Antikörper, die mit Toxinen beladen werden, oder bispezifische Antikörper, welche gezielt Immunzellen rekrutieren können. Auch veränderte Immunzellen, die Krebs bekämpfen, sind im Vormarsch. Fortschritte bei der Formulierung von Medikamenten machen Technologien wie RNAi und Antisense zur therapeutischen Option, selbst Gentherapie und gezielte Genveränderungen sind zum Teil bereits Realität geworden. Sehr wichtig ist der Austausch zwischen akademischen Zentren, öffentlichen Instituten und der Industrie, wie beispielsweise Kites Zusammenarbeit mit dem National Cancer Institute oder Junos Kollaboration mit dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center im Bereich der CAR-T-Therapien zeigen.