Die Biotechbranche ist Pionier im Kampf gegen COVID-19

Die unmittelbar bevorstehende Zulassung der ersten Impfstoffe in den USA und in Europa verstärkt die Hoffnung, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate die Einschränkungen des Alltagslebens stufenweise wieder aufgehoben werden. Gleichwohl bleibt abzuwarten, ob sich durch die Impfung eines ausreichend hohen Prozentsatzes der Bevölkerung eine Herdenimmunität erzielen lässt und wie langanhaltend sich der Schutz gegen eine Infektion erweist. Da ein endemischer Verlauf von SARS-CoV2 nicht auszuschliessen ist, könnten in den kommenden Jahren jährliche Impfungen erforderlich sein. Die Gesundheitsbranche entwickelt Lösungen im Kampf gegen COVID-19 und schöpft dabei das gesamte technologische Spektrum aus, angefangen von Diagnostik-Schnelltests über Therapeutika bis hin zu Impfstoffen.

Weltweit befinden sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 225 Impfstoffprojekte in der Entwicklung, darunter 137 klinische Studien. Basierend auf unseren Erkenntnissen, einschliesslich ausführlicher Gespräche mit externen Experten, glauben wir an die Entwicklung langfristig erfolgreicher Impfstoffe und Massnahmen, mit denen sich dieser Erreger bekämpfen und eindämmen lässt. Der globale Kampf gegen das Coronavirus hat zu einer bislang beispiellosen Kooperation von Gesundheitsindustrie, regulatorischen Behörden und politischen Entscheidungsträgern geführt. Die Zeitspanne von weniger als einem Jahr von der Identifizierung eines Virus bis zur Zulassung eines Impfstoffs ist historisch einzigartig. Erste Impfstoffe noch 2020 Aus den mehr als 200 laufenden Impfstoffprojekten auf der ganzen Welt sind es zwei Vakzine auf Basis der Botenstoffe mRNA, die am weitesten fortgeschritten sind und uns zuversichtlich stimmen, dass diese bald zugelassen werden. Es handelt sich dabei um die mRNA-Vakzine einerseits von der amerikanischen Moderna, andererseits von der Zusammenarbeit Pfizer/Biontech.

Pfizer/Biontech haben eine Notfallzulassung bei den US-Behörden eingereicht, für Moderna erwarten wir dies in den kommenden Tagen. Auch die europäischen und Schweizer Zulassungsbehörden beginnen schon vor Einreichung der finalen Daten mit der Bearbeitung der Dossiers, um baldmöglichst eine Zulassung aussprechen zu können.

mRNA-Technologie vor dem Durchbruch

Sowohl Moderna als auch Pfizer/Biontech setzen mit der mRNA-Technologie auf einen Ansatz, der bisher noch nie bei einem Impfstoff verwendet wurde. Die mRNA-Technologie ist ein völlig neuartiges Verfahren ohne bislang zugelassene Medikamente. Während klassische Vakzine aus inaktivierten Erregern oder aus industriell hergestellten Virusproteinen bestehen, arbeiten die mRNA-Impfstoffe mit dem «Bauplan» für Bestandteile des Virus. Diese werden dem Körper durch eine Injektion in Form von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) zugeführt. Die einsträngige RNA ist Trägerin des Erbguts, in unserem spezifischen Kontext von SARS-CoV-2. Nach dieser Anleitung nehmen körpereigene Zellen diese mRNA auf und stellen selbst Virusproteine her, die vom Immunsystem erkannt werden und eine gezielte Antikörperreaktion auslösen.

Ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Impfstoffen ist, dass die komplexe Herstellung von Virusproteinen umgangen werden kann und nur geringe Dosen von mRNA benötigt werden. Den Anfang machte im November der Pharmariese Pfizer mit seinem deutschen Partner Biontech. Ihr im Abstand von drei Wochen zweimal verabreichter mRNA-Impfstoff BNT162b2 zeigte in der zulassungsrelevanten Studie an 43 500 Personen eine Schutzwirkung von über 90%. Die Entscheidung für die Zulassung in den USA und in Europa wird für Mitte Dezember erwartet.

Unsere Portfoliobeteiligung Moderna meldete Mitte November eine Schutzwirkung von sogar 94.5% für ihr Vakzin mRNA1273, das im Abstand von vier Wochen zweimal verabreicht wird. Die Studie hatte einen hohen Anteil an Risikogruppen bestehend aus älteren Personen als auch an jüngeren Menschen, die wegen Diabetes, Adipositas oder Herzerkrankungen im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 möglicherweise mit einem schweren Verlauf von COVID-19 zu rechnen haben. Der Moderna-Impfstoff kann im Kühlschrank über 30 Tage bei einer Temperatur von 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden – im Gefrierschrank mit minus 20 Grad Celsius sogar bis zu sechs Monate lang, und er bleibt während 24 Stunden sicher bei Raumtemperatur. Dies bedeutet einen logistischen Vorteil gegenüber dem Pfizer/Biontech-Impfstoff, welcher bei minus 70 Grad gelagert werden muss.

Die enorme Herausforderung, zeitnah einen effektiven Impfstoff zu planen, herzustellen als auch klinisch zu testen, stellt die Fähigkeiten von Moderna klar unter Beweis. Moderna hatte als erstes Unternehmen Mitte März eine klinische Studie der Phase I mit einem Corona-Impfstoff gestartet, Ende Juli begann die entscheidende Wirksamkeitsstudie der Phase III mit 30 000 Probanden, und Stéphane Bancel bestätigte in einem TV-Interview mit CNBC vor wenigen Tagen, dass eine Zulassung in den USA im Dezember zu erwarten sei.

Weitere mRNA-Impfstoffe der Biotechfirmen CuraVac und Translate Bio befinden sich in der klinischen Entwicklung, mit Zulassungen ist aber nicht vor Mitte 2021 zu rechnen. Auch der britische Pharmakonzern AstraZeneca veröffentlichte Studienergebnisse zu seinem Impfstoffkandidaten, der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt wird. Das Vakzin von AstraZeneca beruht auf einer herkömmlichen Herstellungsweise und ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf Adenoviren von Affen basiert. Erste Ergebnisse der Phase II/III-Studie ergaben eine rund 70-prozentige Reduktion des Risikos, an einer symptomatischen COVID-19-Infektion zu erkranken.

Ein weiteres Biotechunternehmen, Novavax, hat eine Phase-II-Studie mit seinem Impfstoffkandidaten erfolgreich abgeschlossen und eine Phase-III-Studie in England gestartet. Es handelt sich dabei um ein Vakzin mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen auf der Basis einer Nanopartikeltechnologie und unter Beigabe eines Adjuvans.

Fortschritte gab es zuletzt auch bei den Therapeutika, die bei aktiven Infektionen die Virenlast leicht verringern und zu einer geringeren Symptombelastung führen. Der aus zwei Antikörpern bestehende Wirkstoff von Regeneron Pharma erhielt die Notfallzulassung. Der Einsatz ist allerdings bislang auf leichte bis mittelschwere Symptome beschränkt. Patienten, die sich im Krankenhaus befinden oder Sauerstoff benötigen, dürfen das Medikament nicht bekommen. Eli Lilly hat eine ebensolche Notfallzulassung für einen einzelnen Antikörper erhalten.

Diese Erfolgsmeldungen zum Jahresende lassen berechtigterweise hoffen, dass die Weltgemeinschaft die durch COVID-19 verursachte Pandemie ab 2021 dauerhaft in den Griff bekommt. Sollte den mRNA-Impfstoffen der grosse Durchbruch gelingen, könnte dieser Therapieansatz in Zukunft auch zur ersten Wahl bei der Immunisierung gegen künftige Infektionskrankheiten werden. Mit Moderna haben wir uns bereits 2017 in diesem Feld positioniert und werden die weitere Entwicklung im Hinblick auf Wirkprofil und Kommerzialisierungspotenzial genau verfolgen.

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